Praxisbeispiele
Zivilcourage eine Bühne geben: Interaktives Theaterprojekt in Pforzheim
An drei Schulen in Pforzheim und Umgebung wurden im April Klassenzimmer zu Bühnen, auf denen mehr als Unterricht passierte: Es wurde gefühlt, gestritten, ausprobiert und verstanden. Gemeinsam mit den Respekt Coaches des Jugendmigrationsdienstes (JMD) Pforzheim und Enzkreis verwandelte das People’s Theater die Unterrichtsräume in lebendige Erfahrungsorte für Mut, Empathie und Zivilcourage.
Für die teilnehmenden Klassen sah Schule je einen Tag lang ganz anders aus als gewohnt. Tische wurden zur Seite gerückt, ein gemeinsamer Rhythmus aus Klatschen und Stampfen füllte den Raum und aus Zuschauerinnen und Zuschauern wurden Beteiligte. Marten, Laura, Camila und Merve vom People’s Theater aus Offenbach am Main brachten nicht nur Theater mit, sondern eine Einladung zum Hinschauen, Mitdenken und Eingreifen. Die Respekt Coaches Taoufek Morad und Marie Reineke vom JMD Pforzheim und Enzkreis organisierten und begleiteten die Durchführung an den drei Schulen.
Perspektiven ergreifen und Lösungen testen
Ob mit der 5. Klasse der Ludwig-Uhland-Schule, den 6. und 7. Klassen des Hilda-Gymnasiums oder den Berufsfachklassen der Carlo-Schmid-Schule – das Prinzip blieb gleich und die Wirkung war jedes Mal intensiv. Eine Szene beginnt, ein Konflikt spitzt sich zu und im entscheidenden Moment wird das Geschehen für die Reflexion gestoppt. Was ist passiert? Wer fühlt was und warum? Was hätte anders laufen können?
Was folgt, ist kein klassischer Unterricht, sondern ein Austausch über Perspektiven. Schülerinnen und Schüler analysieren, diskutieren, widersprechen und gehen schließlich selbst auf die Bühne. Dabei testen sie Lösungen und lernen, für andere einzustehen.

Einblicke in die gemeinsame Arbeit der Klassen, des People’s Theaters und der Respekt Coaches.
Den Mut erlangen, einzugreifen
Im Zentrum steht das Thema Zivilcourage. Eine Schülerin der Carlo-Schmid-Schule hält fest: „Sich für andere einsetzen braucht Mut und Selbstvertrauen.“ Das Besondere an dem interaktiven Theaterprojekt ist, dass es nicht bei Appellen gegen Mobbing und Ausgrenzung bleibt. Die Jugendlichen entwickeln eigene Strategien, probieren sie aus, scheitern vielleicht und versuchen es erneut.
„Wir möchten unseren Schüler*innen Räume eröffnen, in denen sie Konflikte nicht nur theoretisch betrachten, sondern aktiv durchdenken, ausprobieren und reflektieren können“, erklärt Schulleiterin Alexandra Dahlum. „Das People’s Theater ermöglicht genau das: einen geschützten Rahmen, in dem Perspektivwechsel, Empathie und Verantwortung erlebbar werden.“
Das People’s Theater, das 2024 mit dem Hessischen Sozialpreis ausgezeichnet wurde, hinterließ bei den Schülerinnen und Schülern nachhaltige Erfahrungen: etwa das Gefühl, gehört zu werden; den Mut, einzugreifen; die Erkenntnis, dass jede Stimme zählt.
JMD Pforzheim und Enzkreis / Servicebüro Jugendmigrationsdienste